Der Duft der Überbehütung und die Angst vor der Welt
Acht Jahre lang war der Vater von Angst erfüllt. Seit Mateos Geburt, die durch Blindheit gekennzeichnet war, hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, ihn von der Welt abzuschotten. Der Park roch für ihn immer nach Gefahr. Er glaubte, die Blindheit seines Sohnes sei ein soziales Todesurteil, und so war sein Instinkt, jeden anzugreifen, der sich näherte. Sein stets glatt rasiertes und makelloses Gesicht stand in scharfem Kontrast zu der seelischen Zerrissenheit in seinem Inneren. Seine eigenen, nackten, gesunden Augen waren blinder für die Realität als die seines kleinen Jungen. Als er das Mädchen dort stehen sah, mit einem Drachen, den Mateo niemals bewundern konnte, drehte sich ihm der Magen vor lauter Hilflosigkeit um.
Die reglose Spannung vor der Bank
Die Stille war ohrenbetäubend. Der Vater atmete tief durch und versuchte, seine Wut zu beherrschen. Er rührte sich nicht. Er wusste, jede plötzliche Bewegung würde seinen Sohn erschrecken.
„Und wie gedenken Sie, dass mein Sohn sehen kann?“, fragte der Vater fassungslos und wie erstarrt.
Das kleine Mädchen, mit weit geöffneten, unbedeckten Augen, rührte sich nicht von der Stelle. Sie wusste, sie musste deutlich und bestimmt sprechen.
„Vertrau mir, mein Herr. Ich werde dafür sorgen, dass er den Wind sieht. Gib mir deine Hand und steh auf“, sagte das kleine Mädchen.
Die Wendung: Die Farben, die durch seine Hände in ihn eindrangen
Mateo stand unbeholfen auf. Das kleine Mädchen hatte ihr Versprechen gehalten und keine Zauberei oder billigen Wunder vollbracht. Sie tat etwas viel Tiefgründigeres. Sie reichte Mateo die Plastikspule des Drachens, der bereits hoch oben flog. Die Wendung war dramatisch. Das kleine Mädchen stellte sich hinter ihn und zeigte ihm, wie er das Gewicht der Schnur spüren konnte.
„Die rote Schnur zieht stark, wie wenn man wütend ist. Die blaue ist weicher, wie eine kühle Brise im Gesicht“, erklärte sie.
Mateo lachte herzlich. Das Geräusch der im starken Wind vibrierenden Schnur und der Zug in seinen Händen erlaubten ihm, zum ersten Mal in seinem Leben etwas Unermessliches am Himmel zu beherrschen. Der Junge, dessen Augen unbedeckt und voller Freudentränen waren, „sah“ Höhe, Kraft und Flugrichtung des Drachens durch die Berührung und das Rascheln der Schnur zwischen seinen Fingern.
Der Vater sank weinend auf die Knie ins Gras. Die Erkenntnis der Realität hatte ihn zutiefst getroffen. Er hatte geglaubt, man müsse gut sehen können, um einen Drachen steigen zu lassen, doch das kleine Mädchen hatte ihm gezeigt, dass die wahre Grenze im Kopf des Erwachsenen liegt, nicht im Körper des Kindes.
Die Lehre daraus ist eindeutig: Überbehütung ist die schlimmste Behinderung, die man einem Kind antun kann. Manchmal brauchen gerade diejenigen, die wir als besonders zerbrechlich wahrnehmen, einfach nur, dass wir aufhören, sie zu bemitleiden und ihnen die Zügel in die Hand geben. Wer sich nur auf das Fehlende konzentriert, verpasst die Chance, das Überflussvolle zu erleben.

