Alejandro hatte gelernt, Liebe mit großen Gesten zu messen: Privatschulen, teure Ärzte, geräumige Zimmer und ein Haus in San Pedro Garza García, in dem es ihm an nichts fehlte. Nach dem Tod seiner ersten Frau glaubte er, Diego nur dann beschützen zu können, wenn er ihm materielle Sicherheit bot.
Doch ein zehnjähriger Junge misst Sicherheit nicht an der Größe eines Hauses. Er misst sie daran, wie schnell jemand hereinkommt, wenn er ruft. Und viel zu lange war Doña Elvira die Einzige, die immer hereinkam.
Das Kindermädchen aus Oaxaca war angekommen, als Diego noch einige Wörter falsch aussprach und in den Ecken des Hauses nach seiner Mutter suchte. Sie sang ihm sanfte Lieder vor, kochte ihm Brühe, wenn er Fieber hatte, und lernte, sein Schweigen zu deuten.

Alejandro hingegen stürzte sich in die Arbeit. Er glaubte, Überleben bedeute Produktion, Geschäftsabschlüsse und den Erhalt des Familiennamens. Als Valeria elegant und gelassen in sein Leben trat, verwechselte er diese Gelassenheit mit Frieden.