Valeria betrat das Haus nicht wie eine Eindringling. Sie kam herein wie jemand, der wusste, wie man sich unauffällig einschleicht. Sie sprach leise, lächelte im richtigen Moment und sagte immer genau das, was Alejandro hören musste, wenn er müde war.
Es gelang ihr nie, Diego zu überzeugen. Der Junge hasste sie nicht aus einer Laune heraus, wie sie behauptete. Er beobachtete sie mit jener grausamen Intuition, die manche Kinder haben, wenn Erwachsene zu viel vorspielen. Manchmal schwieg er einfach, wenn sie hereinkam.
Seit Alejandro und Valeria vor sechs Monaten geheiratet haben, hat sich die Atmosphäre im Haus verändert. Nicht laut den Thermometern, sondern an den Tischen, in den Fluren, daran, dass alle leiser sprachen, wenn Valeria da war.
Doña Elvira bemerkte zuerst die kleinen Details. Valeria korrigierte Diego in der Öffentlichkeit mit einem sanften Lächeln. Sie nahm ihrer Mutter Dinge weg und sagte, dass es schlecht für sie sei, sie zu behalten. Dann schlug sie vor, dass der Junge klarere Grenzen brauche.
Alejandro wollte keinen Konflikt. Er wollte seine Familie wieder aufbauen. Deshalb empfand er jedes Mal, wenn Diego sagte, Valeria sei nicht gut, es als Ablehnung seiner Chance auf ein neues Leben.
Der Unfall ereignete sich in der Schule an einem scheinbar ganz normalen Nachmittag. Diego stürzte auf dem Schulhof, brach sich den rechten Arm, und der Schmerz war so real wie jeder andere körperliche Schmerz: weiß, stechend, unmöglich zu verbergen.